Einführung Beleuchtung
Autor : Hellmut Beck
Was ist die richtige Beleuchtung für Terrarientiere? Vor dieser Frage steht jeder einmal, der ein Reptil pflegen möchte. Der Zoohandel bietet zwar viel, aber nur wenig ist wirklich brauchbar. Wie trifft man nun die richtige Auswahl? Ganz einfach: Man orientiert sich am Lebensraum der Tiere, der freien Natur. Dort gibt es nur eine Lichtquelle: die Sonne. Diese muss bei der Terrarienhaltung immer als Vorbild oder Vergleichsobjekt herangezogen werden, denn unsere Tiere sind neben der Wärme auch stark vom Licht abhängig. Verschiedene Prozesse, z. B. Hormonbildung, werden von der Hypophyse durch das Licht gesteuert. Trifft man die falsche Auswahl, sind häufig Inaktivität und / oder Krankheit und / oder fehlende Fortpflanzung die Folge. Auf was sollte man nun bei der Auswahl der Beleuchtung achten?
- Das Farbspektrum und die Farbtemperatur (k) des Lichts
- Die Leuchtkraft (lx), die bei den Tieren ankommt
Das Farbspektrum sollte möglichst naturnah gewählt werden, denn wir wissen nicht genau, welche Wellenlängen des Lichts bestimmte "Funktionen" bei den Tieren auslösen. Darüber hinaus wissen wir nicht genau, wie die Tiere sehen. Auf bestimmte Farben reagieren sie besonders, daher kann es bei mangelhaftem Lichtspektrum durchaus zu Fehlinterpretationen der Tiere kommen. Bitte fallt bei den Leuchtmitteln nicht auf die Bezeichnung Vollspektrum herein, denn diese besagt nur, dass von jedem Farbton etwas dabei ist. Als Vergleich muss das Spektrum des Sonnenlichts herangezogen werden. Die Farbtemperatur des Lichts wird in Kelvin (k) angegeben. Sonnenlicht hat im Sommer schwankende Werte zwischen 5.500k und 6.500k.
Lichtquelle |
Farbtemperatur |
Morgengrauen |
10.000 k - 30.000 k |
Sonne früh morgens |
2.500 k |
Morgen- u. Abendsonne |
5.000 k |
Vormittags- u. Nachmittagssonne (mittleres Sonnenlicht) |
5.500 k |
Sonne und wolkenloser Himmel |
5.500 k - 5.800 k |
Sonne am Mittag |
5.600 k |
Bedeckter Himmel |
6.500 k - 7.500 k |
Nebel, starker Dunst |
7.500 k - 8.500 k |
Tabelle: Lichtfarben verschiedener Lichtquellen (Quelle: Terraria Nr.1 2006, S.9)
Sonnenlicht hat an einem sonnigen Sommertag in Mitteleuropa eine Beleuchtungsstärke von ca. 100.000 Lux. Von daher sollten 100.000 lx als Richtwert dienen. Sogar hier in Südhessen, Kreis Odenwald/Bergstrasse, konnte ich recht hohe Werte des Sonnenlichts ermitteln:
Februar 2005 |
88.900 lx |
März 2003 |
68.400 lx |
Mai 2003 |
98.200 lx |
Juni 2003 |
109.000 lx |
Luxwerte in Südhessen (Hellmut Beck)
Uhrzeit |
Maximalwert |
08.00 |
12.520 lx |
09.00 |
76.000 lx |
10.00 |
107.300 lx |
11.00 |
116.300 lx |
12.00 |
120.200 lx |
13.00 |
128.300 lx |
14.00 |
127.000 lx |
15.00 |
119.400 lx |
16.00 |
102.000 lx |
17.00 |
67.100 lx |
18.00 |
15.580 lx |
Typische Luxwerte eines wolkenlosen Sonnentages auf Lanzarote zum Ende des Winters (Quelle: www.medizinmeteorologie.de)
Meiner Meinung nach sollte der Richtwert (100.000 lx) nicht übermäßig überschritten werden, da wir nicht wissen, wie die Tiere dann mit diesem unnatürlich hellen Licht zurechtkommen. Unter Berücksichtigung der vorgenannten Faktoren und der ganzen Leuchtmitteltests, die ich bisher durchführte, bleibt besonders bei sonnenhungrigen Tieren nur eine Technologie übrig: Halogen-Metalldampfstrahler (HQI oder HCI). Mit diesen erreicht man vernünftige Luxwerte beim Ausleuchten und gleichzeitig sind die Brenner mit einem guten Spektrum erhältlich.
Weiter besteht das Sonnenlicht auch aus UV-Licht. Wichtig für unsere Tiere ist UV-B, da dieses Licht zur Bildung von Vitamin D3 notwendig ist. Kann dieses Vitamin nicht gebildet werden, sind Mangelerscheinungen wie Erweichen der Knochen die Folge, da aufgenommenes Kalzium nicht verwertet werden kann.
"Das Sonnenlicht besteht auch aus UV-Licht, was in drei Bereiche eingeteilt wurde"
Bereich |
Wellenlänge |
UVA |
320-400 nm |
UVB |
280-320 nm |
UVC |
100-280 nm |
Wellenlängen der UV-Strahlung (Hellmut Beck)
Besonders bei herbivoren Tieren ist dies unverzichtbar, da sie kein Vitamin D3 über die Nahrung aufnehmen. Carnivore und omnivore Tiere nehmen bei entsprechender Fütterung (z. B. Babymäuse) dieses Vitamin auch über die Nahrung auf, dort würden sich Mangelerscheinungen erst viel später bemerkbar machen als bei herbivoren Tieren. Wir wissen jedoch nicht, welchen Bedarf die Tiere wirklich haben, von daher sollten wir uns auch hier an der Natur orientieren und UV-Licht anbieten, damit die Tiere ihren Bedarf selbst decken können.
Lichttechnische Grundbegriffe
Quelle : Candela
Lichtstrom F (Einheit Lumen /lm)
Als Lichtstrom F bezeichnet man die gesamte von der Lichtquelle abgegebene Strahlungsleistung, die mit der spektralen Augenempfindlichkeit bewertet wird.

Lichtstärke I (Einheit: Candela /cd)
Eine Lichtquelle strahlt ihren Lichtstrom F im allgemeinen in verschiedenen Richtungen unterschiedlich stark aus. Die Intensität des in einer bestimmten Richtung abgestrahlten Lichts wird als Lichtstärke I bezeichnet.
Beleuchtungsstärke E (Einheit Lux /lx)
Die Beleuchtungsstärke E gibt das Verhältnis des auffallenden Lichtstroms zur beleuchteten Fläche an. Die Beleuchtungs-
stärke beträgt 1 lx, wenn ein Lichtstrom von 1 lm auf eine Fläche von 1 m2 gleichmäßig auftrifft.

Leuchtdichte L (Einheit: Candela pro Quadratmeter/ cd/m2)
Die Leuchtdichte L einer Lichtquelle oder einer beleuchteten Fläche ist maßgebend für den wahrgenommenen Helligkeits-
eindruck.

Farbtemperatur (Einheit: Kelvin/ k)
Die Farbtemperatur einer Lichtquelle wird durch den Vergleich mit dem sog. „Schwarzen Strahler“ definiert und im „Plank’schen Kurvenzug“ dargestellt. Erhöht sich die Temperatur des „Schwarzen Strahlers“, so vergrößert sich im Spektrum der Blauanteil und der Rotanteil wird geringer. Eine Glühlampe mit warmweißem Licht hat z.B. eine Farbtemperatur von 2700 K, eine tageslichtähnliche Leuchtstofflampe 6000 K.

Lichtfarbe
Die Lichtfarbe wird sehr gut durch die Farbtemperatur beschrieben. Hierbei lassen sich drei Hauptgruppen unterscheiden:
Warmweiß < 3300 K
Neutralweiß 3300-5000 K
Tageslichtweiß > 5000 K.
Trotz gleicher Lichtfarbe können Lampen aufgrund der spektralen Zusammensetzung ihres Lichts sehr unterschiedliche Farbwiedergabe-Eigenschaften haben.
Geeignete Lichtfarben
Autor : Hellmut Beck
In der Terraristik brauchen wir ein Licht, was dem Sonnenlicht möglichst nahe kommt. Und da haben die Firmen alle unterschiedliche Bezeichnungen. Folgende sind richtig: Osram + Radium = NDL (Neutralweiss De Luxe) und D (Daylight), Philips = 942, BLV Hitlite bzw. Hit-De = nw und dw, Sylvania metalarc = NDL und D. Bei Philips ist die Angabe etwas versteckt. Meistens steht sie auf der Stirnseite der Schachtel, gleich hinter der Wattzahl, also 150W/942 oder 70W/942.
Brenner mit der Bezeichnung WDL (Osram, Radium, Sylvania), ww (BLV) und 830 (Philips) sind ungeeignet, da das abgegebene Licht unheimlich gelb und nicht weiss ist. Hier zum Vergleich die Spektralgrafiken der drei Farbtöne:

NDL (Osram)

Daylight (Osram)
WDL (Osram)
und hier zum Vergleich das Spektrum des Sonnenlichts:

Im Aquaristikbereich werden vielfach Brenner mit 10.000 oder mehr Kelvin angeboten, diese sind für unsere Zwecke absolut ungeeignet, da sich das Farbspektrum auf blaues Licht konzentiert, wie man sehr schön an dieser Grafik ersehen kann:

Spektrum 10.000 k
Farbwiedergabe
Quelle : Candela
Je nach Einsatzort und Sehaufgaben sollte künstliches Licht eine möglichst korrekte Farbwahrnehmung (wie bei natürlichem Tageslicht) gewährleisten. Der Maßstab dafür sind die Farbwiedergabe-Eigenschaften einer Lichtquelle, die in Stufen des „allgemeinen Farbwiedergabe-Index“ Ra ausgedrückt werden.
Der Farbwiedergabe-Index bezeichnet das Maß der Übereinstimmung der Körperfarbe mit ihrem Aussehen unter der jeweiligen Bezugslichtquelle. Zur Bestimmung des Ra-Wertes werden die Farbverschiebungen von 8 in DIN 6169 genormten Testfarben bestimmt, die sich ergeben, wenn die Testfarben mit der zu prüfenden Lichtquelle bzw. mit der Bezugsquelle beleuchtet werden. Je geringer die Abweichung ist, desto besser ist die Farbwiedergabe-Eigenschaft der geprüften Lampe.
Eine Lichtquelle mit Ra = 100 zeigt alle Farben wie unter der Bezugslichtquelle optimal. Je niedriger der Ra-Wert ist, um so weniger gut werden die Farben wiedergegeben.
